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26.04.2026

Systemische Aufstellung: Was sie ist, wie sie funktioniert und wem sie helfen kann

Manche Themen des Lebens lassen sich nicht allein durch Nachdenken lösen. Man analysiert eine Situation, kennt die Fakten, hat vielleicht schon viele Gespräche geführt, und trotzdem dreht sich alles im Kreis. Genau dann lohnt es sich, einen anderen Zugang zu wählen. Die systemische Aufstellung ist eine Methode, die es möglich macht, Zusammenhänge sichtbar zu machen, die sonst verborgen bleiben. Die Methode arbeitet mit dem Körper und dem Gespür, und sie kann sowohl im beruflichen als auch im privaten Kontext eingesetzt werden. In diesem Artikel erfahren Sie, was eine systemische Aufstellung genau ist, welche Formen es gibt, wie eine solche Arbeit abläuft und für wen sie besonders geeignet ist. Wenn Sie sich schon einmal gefragt haben, warum sich bestimmte Muster in Ihrem Leben oder Ihrer Arbeit immer wiederholen, könnten Sie in der systemischen Aufstellung eine überraschend wirksame Antwort finden.
Von: Christin Görbitz
Mindmap mit dem zentralen Begriff "Geschichtswissenschaft" in einem Kreis.

Was ist eine systemische Aufstellung?

Eine systemische Aufstellung ist ein Verfahren, mit dem wir Wechselwirkungen sichtbar machen und mögliche Lösungswege aufzeigen oder auch Veränderungen simulieren können. Diese Methode basiert auf der Grundannahme, dass Menschen immer Teil eines Systems sind, also einer Familie, eines Teams, einer Organisation oder eines sozialen Geflechts. In diesen Systemen wirken Kräfte, Rollen und Dynamiken, die oft unbewusst bleiben, aber das Denken, Fühlen und Handeln der Beteiligten maßgeblich beeinflussen. In einer Aufstellung wird dieses System räumlich dargestellt. Dafür können andere Personen als Repräsentanten eingesetzt werden, aber auch Figuren, Gegenstände, wie z.B. Pappfiguren oder Zettel als Symbole auf dem Boden. Die Positionen im Raum, die Entfernungen zwischen den Elementen und die Bewegungen, die sich in der Aufstellung ergeben, machen sichtbar, was in einem System vorhanden ist, aber bisher nicht ausgesprochen oder erkannt wurde. Was dabei entsteht, ist oft überraschend: Menschen berichten, dass sie durch eine systemische Aufstellung plötzlich verstehen, warum sie in bestimmten Situationen immer auf dieselbe Art reagieren, warum ein Konflikt im Team nicht lösbar zu sein scheint oder warum eine Entscheidung sich trotz aller Vernunft nicht richtig anfühlt. Die Aufstellung schafft einen Zugang zu Ebenen, die mit klassischen Gesprächsmethoden allein schwer erreichbar sind.

Die Wurzeln der systemischen Aufstellung

Die systemische Aufstellung ist eng mit dem Namen Bert Hellinger verbunden. Sein Ansatz war von Anfang an umstritten und hat nicht zuletzt deshalb auch Aufmerksamkeit für das Thema hervorgerufen. Die systemische Arbeit und die Entwicklung von Aufstellungsformaten basieren maßgeblich auf den Pionierarbeiten von Virginia Satir in den 50er Jahren. Virginia Satir (US-amerikanische Psychotherapeutin) entwickelte als „Mutter der systemischen Familientherapie“ Methoden im Kontext des Familiensystems und fokussierte auf z.B. verbesserte Kommunikation und Steigerung des Selbstwerts. Ihre Ansätze wurden später durch Insa Sparrer und Matthias Varga von Kibéd zu systemische Strukturaufstellungen weiterentwickelt. Inzwischen existieren viele verschiedene Richtungen und Schulen innerhalb der systemischen Aufstellungsarbeit, die sich in Methode, Haltung und Einsatzgebiet zum Teil deutlich voneinander unterscheiden. Besonders im beruflichen Kontext hat sich die systemische Aufstellung in den letzten Jahrzehnten stark weiterentwickelt. Organisationsaufstellungen, Team-Aufstellungen und Aufstellungen zu Entscheidungssituationen sind heute fester Bestandteil in der Arbeit systemischer Coaches und Beraterinnen. Die Methode hat sich damit von ihrer ursprünglich familienbezogenen Ausrichtung gelöst und ist zu einem vielseitigen Instrument geworden.

Wie eine systemische Aufstellung konkret abläuft

Der Ablauf einer systemischen Aufstellung beginnt immer mit einem klärenden Gespräch. Das Anliegen wird beschrieben: Was genau beschäftigt Sie? Was haben Sie bisher versucht? Was soll sich verändern und wofür wäre das gut? Diese Phase ist wichtig, weil sie den Fokus der Aufstellung bestimmt. Nicht jede Aufstellung ist für jedes Anliegen die passende Methode. Ein erfahrener Coach begleitet Sie dabei, das wirkliche Anliegen mit der passenden Methode aufzustellen. Dann beginnt die eigentliche Aufstellung. Je nach Setting werden entweder andere Teilnehmende als Repräsentanten eingesetzt, in einer Gruppensitzung, oder es wird mit Symbolen und Figuren gearbeitet. Dies funktioniert auch im Einzelcoaching. Sie als anliegende Person positionieren die Elemente des Systems im Raum, und dann beginnt die Aufstellung zu sprechen. Repräsentanten beschreiben, was sie spüren, wie sie sich zueinander verhalten möchten, was ihnen fehlt oder was sich verschiebt. In der Arbeit mit Symbolen übernimmt oft der Körper selbst diese Sprache: Widerstand, Leichtigkeit, Zug oder Ablehnung sind physisch spürbar. In dieser Phase begleitet der Coach den Prozess, stellt Fragen, schlägt Bewegungen oder neue Positionen vor und achtet darauf, dass der Prozess für alle Beteiligten sicher bleibt. Manchmal tauchen Bilder oder Sätze auf, die tief berühren. Manchmal ist es ein kleiner Schritt, eine veränderte Positionierung, eine neue Sichtweise, die eine Lösung in Gang setzt. Das Ziel ist kein perfektes Ergebnis, sondern kann ein sogenanntes Lösungsbild sein: eine Positionierung im System, in der sich etwas entspannt, in der die Elemente in einem stimmigen Verhältnis zueinander stehen. Nach der Aufstellung findet wieder ein Gespräch statt. Was wurde sichtbar? Was hat sich verändert? Welche Möglichkeiten wurden sichtbar oder welche Handlungsschritte ergeben sich daraus? Die Nachbesprechung ist ein wesentlicher Teil des Prozesses, weil sie hilft, die Erkenntnisse aus dem Erleben in den Alltag zu überführen.

Systemische Aufstellung im beruflichen Kontext

Im beruflichen Umfeld eignet sich die systemische Aufstellung für eine Vielzahl von Fragestellungen. Führungskräfte nutzen sie, um Teamdynamiken besser zu verstehen oder um Klarheit über ihre eigene Rolle zu gewinnen. Unternehmerinnen und Unternehmer setzen sie ein, wenn sie vor wichtigen Entscheidungen stehen und das Für und Wider allein nicht ausreicht. Teams, die in Konflikten feststecken oder sich in einer Phase des Wandels befinden, können durch eine Team-Aufstellung neue Perspektiven und ein tieferes gegenseitiges Verständnis entwickeln. Auch der Übergang in eine neue Führungsrolle, der oft unterschätzt wird und viele unbewusste Fragen aufwirft, kann durch eine Aufstellung unterstützt werden. Wer bin ich in dieser neuen Rolle? Wie positioniere ich mich zu meinen ehemaligen Kolleginnen und Kollegen? Wie gestalte ich Autorität, ohne dabei authentisch zu wirken? Diese Fragen haben nicht nur eine rationale, sondern immer auch eine systemische Dimension, und genau dort setzt die Aufstellung an.

Systemische Aufstellung in der Einzelarbeit und in Gruppen

Systemische Aufstellungen können sowohl in Gruppen als auch in Einzelsitzungen stattfinden. In einer Gruppenaufstellung stehen echte Menschen als Repräsentanten zur Verfügung, was oft eine besonders intensive Wirkung entfaltet, weil die Dynamiken des Systems direkt erlebbar werden. In einer Einzelsitzung werden Aufstellungssymbole oder -figuren genutzt, um das System sichtbar zu machen. Beide Formate haben ihre Berechtigung und können sehr wirkungsvoll sein. Ich arbeite in meiner Praxis mit beiden Formaten. Welches für Ihr Anliegen am besten geeignet ist, klären wir gemeinsam im Vorgespräch. Dabei spielt auch eine Rolle, ob Sie eher die Intensität einer Gruppenarbeit suchen oder die Tiefe und Konzentration einer Einzelsitzung bevorzugen.

Was Sie in einer systemischen Aufstellung bei Christin Görbitz erwartet

Als zertifizierter Business Coach und systemische Aufstellerin begleite ich Menschen im beruflichen wie im persönlichen Kontext. Mein Ansatz ist geprägt von einer herzlichen, empathischen Grundhaltung, die jedoch nicht auf kritische Fragen verzichtet. Aufstellungsarbeit braucht Vertrauen. Deshalb lege ich großen Wert darauf, dass Sie sich von Beginn an sicher und verstanden fühlen. Ob Führungsfragen, Teamkonflikte, Entscheidungssituationen oder persönliche Themen, die sich im beruflichen Kontext zeigen: Die systemische Aufstellung ist eine Methode, die ich mit tiefer Überzeugung einsetze, weil ich immer wieder erlebe, wie sie Bewegung in festgefahrene Situationen bringt. Wenn Sie neugierig geworden sind und mehr darüber erfahren möchten, ob eine Aufstellung für Ihr Anliegen geeignet ist, sprechen Sie mich gerne an. Das erste Gespräch ist unverbindlich.

Über die Autorin:

Christin Görbitz
Business Coach, Mediatorin & systemische Aufstellerin
Als zertifizierter Coach mit mehrjähriger Erfahrung und kontinuierlichen Weiterbildungen gibt es inzwischen kaum Themen, die mir fremd sind. In der Zusammenarbeit schätzen meine KlientInnen neben meinen manchmal auch kritischen Fragen, insbesondere meine herzliche Art und mein gutes Gespür für ihr Anliegen.

Häufig gestellte Fragen zur systemischen Aufstellung

Was ist eine systemische Aufstellung und wie funktioniert sie?
Eine systemische Aufstellung ist eine Methode, bei der Beziehungen und Dynamiken innerhalb eines Systems, zum Beispiel einer Familie, eines Teams oder einer Organisation, räumlich sichtbar gemacht werden. Repräsentanten oder Symbole übernehmen die Positionen der beteiligten Personen und machen spürbar, welche Kräfte in einem System wirken. Das ermöglicht neue Perspektiven auf festgefahrene Situationen und kann konkrete Lösungsschritte anstoßen.
Für welche Themen ist eine systemische Aufstellung geeignet?
Systemische Aufstellungen eignen sich sowohl für berufliche als auch für private Anliegen. Im beruflichen Kontext werden sie häufig eingesetzt bei Teamkonflikten, Führungsfragen, Entscheidungssituationen oder in Phasen des organisationalen Wandels. Im privaten Bereich können familiäre Dynamiken, wiederkehrende Muster oder Beziehungsthemen aufgestellt werden. Grundsätzlich eignet sich die Methode für alle Anliegen, bei denen ein Gefühl von Feststecken oder Unklarheit besteht.
Brauche ich Vorerfahrung, um an einer systemischen Aufstellung teilzunehmen?
Nein, es ist keinerlei Vorerfahrung notwendig. Eine systemische Aufstellung ist keine Therapiemethode und setzt keine psychologischen Vorkenntnisse voraus. Wichtig ist allein die Bereitschaft, sich auf den Prozess einzulassen. In einem Vorgespräch erkläre ich Ihnen genau, was Sie erwartet, sodass Sie gut vorbereitet in die Aufstellung gehen können.
Wie unterscheidet sich eine systemische Aufstellung von einer Familienaufstellung nach Hellinger?
Die Familienaufstellung nach Bert Hellinger ist eine phänomenologische Aufstellung. Diese konzentriert sich stark auf familiäre Verstrickungen und generationsübergreifende Dynamiken. Kritiker bemängeln die dogmatische Anwendung von "Ordnungsprinzipien", die kaum Raum für individuelle psychische Probleme lässt bzw. die individuellen Symptome als eine Verstrickung des Systems betrachten. Die systemische Aufstellung, wie sie heute in vielen Coaching- und Beratungskontexten eingesetzt wird, ist deutlich breiter aufgestellt. Sie bezieht sich auf alle Arten von Systemen, also auch Teams und Organisationen, und arbeitet mit einer differenzierteren, weniger normativen Haltung als der klassische Hellinger-Ansatz und legt Wert auf eine gut begleitete Nachsorge der Klienten.
Was passiert nach einer systemischen Aufstellung?
Nach einer Aufstellung findet immer eine Nachbesprechung statt, in der wir gemeinsam reflektieren, was sichtbar wurde und welche Schritte sich daraus ergeben könnten. Viele Menschen beschreiben, dass die Wirkung einer Aufstellung nicht sofort, sondern in den Tagen und Wochen danach spürbar wird. Es empfiehlt sich daher, nach einer intensiven Aufstellungssitzung etwas Zeit für sich einzuplanen, um das Erlebte nachwirken zu lassen.

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